Über die Ortsrufanlage kündigten sich die Sternsinger auch in diesem Jahr wieder bei den Duttweilerern an. Danach machten sich 15 Kinder auf den Weg durchs Dorf um Spenden für eine Armenschule in Peru und für Projekte in Nicaragua zu sammeln.
Am Ende wurde das letztjährige Ergebnis wieder übertroffen: 3.501,40 € waren in den Spendenbüchsen.
Alle Jahre wieder…
Wie sie es hasste: Die Klassenleiterstunde nach den Ferien. Alle berichten von ihren Ferienerlebnissen. Diese Stunde bedeutete für Anne, die die 8. Klasse besuchte immer: Alle erzählen, was sie tolles gemacht haben, wohin sie verreist waren, dass sie in Skiurlaub oder auf den Kanaren waren und sie… Ferien zu Hause, immer das Gleiche. Sicher sie hatte sich oft mit ihren Freunden getroffen, war auch mal im Kino, sie hatte ein schönes Weihnachtsfest mit der Familie gehabt, aber – was sollte man davon schon berichten. Was war das schon gegenüber einem tollen Urlaub?
Nun war also sie an der Reihe – Moment da fiel ihr gerade noch ein, dass sie von der Sternsingeraktion berichten könnte. Schließlich hatte die Gruppenleiterin gesagt, dass dies etwas ganz Besonderes und Tolles war. Gedacht – getan bzw. gesagt: Anne erzählte, dass sie an zwei Tagen mit den Sternsingern in ihrer Gemeinde unterwegs war. Was sie dann erntete war alles andere als Begeisterung: Zunächst ein kurzes Schweigen und skeptische Blicke der Klassenkameraden und dann lautes Gelächter. Sternsinger – und das in ihrem Alter – das war doch etwas für Kleinkinder und ganz bestimmt nicht cool.
Und jetzt war auch noch Lina dran, ihre Erzrivalin, die, die immer die tollsten Klamotten anhatte und die tollsten Urlaube mit ihren Eltern machte und immer etwas verächtlich auf Anne herabblickte.
Tja – begann Lina. Dieses Jahr habe ich etwas ganz Besonderes erlebt. Alle blickten erwartungsvoll auf Lina. War sie tatsächlich wieder nach Kanada geflogen, wie in den letzten Ferien oder doch auf die Seychellen?
„Nein“, sagte Lina. „Dieses Jahr habe ich mich an einem Kinderhilfsprojekt beteiligt für Kinder in Nicaragua. Ein paar andere Kids und ich haben für Kinderrechte demonstriert. Wir haben dabei auch eine beträchtliche Geldspende erwirtschaftet.“ „Sehr lobenswert“, bemerkte Herr Schmidt, der Sozialkundelehrer, „sehr lobenswert!“ „Wow“, war der Kommentar der anderen.
„Außerdem“, fuhr Lina fort, „habe ich mich als Botschafterin engagieren lassen. Mit dem Überbringen der Botschaft haben wir den Bürgern und Bürgerinnen eine Freude bereitet. Besonders alte und kranke Menschen haben sich sehr über die Abwechslung gefreut.“ „Und schließlich“ – Lina badete geradezu in den anerkennenden Blicken der Mitschülerinnen, „habe ich dann noch etwas für mich getan – Stimmbildung in einem kleinen Vokalensemble. Im Gegensatz zum großen Schulchor ist das eine wirkliche Herausforderung, denn da singt man ja fast solistisch.“
„Boah“ – sagte Lars „sag mal – hattest Du länger Ferien als wir – das kann man ja in den zwei Wochen gar nicht alles unterbringen und Du siehst auch noch gut gelaunt und erholt aus. War das nicht der reinste Stress?“
„Nein“, entgegnete Lina, „das alles habe ich an zwei Nachmittagen erledigt. Ich war nämlich auch Sternsingerin – wie Anne.“ Und lächelnd zwinkerte sie Anne zu.
Vera Mathäß