Ortsrufanlage
Nachdem der Gemeindediener und Dorfbüttel Franz Durm krankheitsbedingt in den Ruhestand versetzt wurde, konnte (oder wollte) kein Nachfolger gefunden werden. Der Gemeinderat beschloss deshalb am 21. Mai 1959 die Installation einer Ortsrufanlage zum Preis von 11.250,00 DM durch die Firma Siemens aus Mannheim.
Für Bau und Betrieb einer solchen Anlage war allerdings laut Straßenverkehrsordnung eine Genehmigung der Kreisverwaltung erforderlich. Der ehemalige Gemeindesekretär Karl Hirsch berichtet, dass es deshalb zwischen ihm und Bürgermeister Karl Syring auf der einen Seite und dem Landrat Unckrich auf der anderen Seite eine heftige Auseinandersetzung gegeben hatte, der Landrat wollte die Anlage wegen "ostzonaler Methoden" nicht genehmigen. Rufanlagen waren in der Vorderpfalz eher selten anzutreffen, in Baden und der Südpfalz oder Hessen war das gang und gäbe. Bürgermeister Karl Syring pfiff auf die Genehmigung und im Dezember 1959 wurde die Anlage feierlich eingeweiht.
Diese Eigenmächtigkeit passte dem Landrat natürlich nicht und er drohte mit der Stilllegung der Anlage. Nachdem er sich aber in keinster Weise schriftlich dazu geäußert (weder zustimmend noch ablehnend) hat, legte die Gemeinde bei der Bezirksregierung eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein, die bis zum heutigen Zeitpunkt unbeantwortet blieb.
Und so ruft der Ortsvorsteher auch heute noch seine Bürger mit der „Fanfare aus Capriccio Italien op.45“ auf die Straße, wenn die Singstunde kurzfristig ausfällt, ein Vogel entflogen oder ein Hamster zugelaufen ist. Schlüssel verloren/gefunden, Beerdigungen, Fußballspiele und vieles mehr sind die Inhalte der Durchsagen, die vom Dienstzimmer des Ortsvorstehers über die Dächer und den teilweise noch aus der Gründerzeit stammenden Lautsprechern und Leitungen übertragen werden. Wenn in früheren Jahren die Menschen auf der Straße standen, war das ein Zeichen für Auto- und Traktorfahrer, ihre Motoren auszuschalten, damit die Nachrichten ungestört gehört werden konnten. Ein schöner Brauch war es auch, den Geburtstagskindern ein Ständchen über die Lautsprecher vorzuspielen, aus Datenschutzgründen wird das heute nur noch auf den ausdrücklichen Wunsch der Jubilare gemacht.

Für eine einmalige Atmosphäre sorgt die Anlage auch während des Kerwe-Radrennens. Es gibt wohl kaum ein anderes Rennen, bei dem die Fahrer während des ganzen Wettbewerbs von Musik und Informationen der Rennleitung versorgt werden. Ebenso sind auch alle Zuschauer an der Strecke ständig über das aktuelle Rennergebnis informiert.
Genau dies wurde dem betagten Verstärker aber im Jahr 2002 zum Verhängnis. Die Dauerbelastung war zuviel für die Röhren, sie brannten durch, Ersatz war nicht mehr zu beschaffen, die Anlage war irreparabel beschädigt.
Die Duttweiler legten zusammen und so konnte der damalige Ortsvorsteher Karl Heinz Großhans im Frühjahr 2003 für knapp 4.000 € moderne Verstärker einbauen, defekte Lautsprecher werden selbstverständlich durch moderne Technik ersetzt und selbst im Neubaugebiet Achtzehnmorgenpfad wurde die Ortsrufanlage nicht vergessen, so dass auch die Neubürger immer über das Dorfgeschehen im Bilde sind. 


Presse und Meldungen
Flurfunk in Duttweiler 15. Februar 2011